9. Februar 2011 (18:03) von sebastian

Bericht zum Workshop 11: “Survival of the Clickest? Vermarktungsstrategien für Journalismus im Netz gesucht”

Der perfekte Krustenbraten oder die Enthüllungsgeschichte im Lokalen

Wie kann sich Journalismus zukünftig im Netz finanzieren? Wird die achte Hochzeit von Lothar Matthäus eine größere Relevanz als investigativer Journalismus haben? Im Workshop “Survival of the Clickest?” diskutierten Tabea Rößner, medienpolitische Sprecherin, und Felix Zimmermann, stellvertretender Vorsitzender von freischreiber, mit über 30 TeilnehmerInnen.

Der derzeitige Trend geht dahin, dass immer weniger Menschen die gedruckte Tageszeitung lesen und sich lieber kostenlos im Netz informieren. Dadurch verlieren Zeitungen an Auflagen, es gibt seltener Festanstellungen und die Konkurrenz unter den Freien wächst. Dazu haben wir drei Thesen zur Debatte gestellt.

These 1: In zehn Jahren gibt es nur noch wenige angestellte Print- und Rundfunkjournalisten, die Mehrheit finanziert sich via Pay-per-Click.

Die Mehrheit, wenn auch eine knappe, sprach sich gegen diese These aus. In der Debatte kamen verschiedene Szenarien zur Sprache: Social Payment-Lösungen wie flattr könnten von Verlagen selbst genutzt werden und durch Internetkommunikationsriesen wie Facebook flächendeckend zum Erfolg kommen. Im Moment sei flattr dort lukrativ, wo bereits eine Fangemeinde bestehe. Wenn aber nur noch mit Blick nach den Klickzahlen geschrieben wird, kann dann Online-Journalismus noch die Ausübung der Vierten Gewalt für sich in Anspruch nehmen?
Weiterhin diskutiert wurde, ob es einer zusätzlichen Finanzierung von „Edelinhalten“ (z. B. Hintergrundrecherchen) bedarf. Hier kamen Stiftungen, aber auch Crowdfunding ins Spiel.
Fazit dieser These: Der Trend geht zum Social Payment; die Frage einer Basisfinanzierung muss geklärt werden, ebenso die der Finanzierung von „Edelinhalten“. Klar war auch, dass die Grenzen zwischen JournalistInnen und BloggerInnen weiter verschwimmen werden.

Bei These 2 stellten wir die Frage, welche Inhalte in zehn Jahren die meist geklicktesten sein würden (Lokales, Investigatives, Boulevard, personal interest/Rezepte etc.). Die Mehrheit votierte knapp für Lokaljournalismus. In der Diskussion wurden solche Prognosen wegen der Schnelllebigkeit des Netzes in Frage gestellt: Vor zwei Jahren habe noch keiner mit Facebook gerechnet. Die Politik sei deshalb vor große Herausforderungen gestellt, sie müsse schließlich für die nächsten 20 Jahre denken…

These 3 lautete: Gut aufbereitete journalistische Inhalte kann es in Zukunft nur mithilfe der Politik/staatlichen Mitteln geben.

Die Mehrheit lehnte dies ab, weil viele damit staatlichen Einfluss befürchteten. Hier war die Diskussion am kontroversesten. Einige forderten klare staatliche Regelungen für Verlage, z. B. bei der Zahlung von Mindesthonoraren. Andere forderten, der Staat müsse sich gänzlich raushalten. Zudem sei angesichts immer neuerer journalistischer Formen im Netz die Definition von Journalismus immer schwieriger, nach der staatliche Förderung erfolgen könne.

Felix Zimmermann betonte abschließend, wie wichtig es sei, dass Journalisten sich selbst organisierten und ihre Interessen artikulierten. Tabea Rößner attestierte der Runde eine positive Grundstimmung bzgl. neuer Geschäftsmodelle und eine kritische Haltung zu staatlicher Regulierung. Sie bot an, sich zu diesem Thema weiter zu vernetzen. Die Kontaktdaten finden sich unter www.tabea-roessner.de.

 
 

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