Auf Einladung von Monika Lazar, Sprecherin für Frauenpolitik der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen diskutierten etwa 20 TeilnehmerInnen des Kongresses über das Thema Sexismus in Netz. Als Referentinnen konnten Katrin Rönicke und Leena Simon gewonnen werden. Katrin Rönicke schreibt für den Blog maedchenmannschaft.de sowie für den Freitag, die taz und NEON. Leena Simon ist aktiv in der Piratenpartei und beim FoeBud e.V., einem Verein für mehr Bürgerrechte und Datenschutz. Sie bloggt, twittert und ist auch sonst viel im Netz unterwegs.
Kernfrage war: Was ist Sexismus und wo zeigt er sich im Netz? Die Gruppe definierte Sexismus als die Abwertung von Menschen aufgrund ihres Geschlechts mit stereotypen Merkmalszuschreibungen. Dabei ist Sexismus eine Sonderform der Diskriminierung, weil hier keine Minderheit, sondern die Hälfte der Menschheit abgewertet wird.
Katrin Rönicke führte aus, dass die Suchmaschine Google bei der Abfrage „Frauen“ Seiten zu Mode oder Partnervermittlung anbietet. Auch bei „Männer“ werden Klischees bedient, sie kommen aber weitaus besser weg als Frauen.
Internetnutzende sind zur Hälfte Frauen, aber die Machenden sind zu 90 Prozent Männer. Der Mann ist die Norm. Zum Beispiel werden geschlechtsneutrale Nicknames als männlich wahrgenommen. Frauen müssen sich als Frau erklären.
Für die TeilnehmerInnen wurde schnell klar: Wir brauchen im Internet und offline eine frauenfreundlichere Umgebung. Frauen müssen sich ihren Teil vom Kuchen aber auch selbst abholen. Gerade hier bei Bündnis 90/Die Grünen wissen wir: Man darf nicht beim Formulieren von Forderungen stehenbleiben, sondern muss auf Rechten und Freiräumen bestehen.
Doch wo genau sind eigentlich die Unterscheide zwischen online und offline? Im Internet kann man sein Geschlecht aufgeben, Identitäten können gewechselt werden. Das ist offline so kaum möglich. Sexismus wird durch die Anonymität und Schnelligkeit des Mediums verstärkt. Wünschenswert wäre stattdessen ein Reflexionsvermögen über die eigene Geschlechterkonstruktion, welches nicht allzu weit verbreitet ist. Das belegen auch Studien über die Selbstdarstellung von Jugendlichen im Internet.
Wie gehen wir am besten mit offener oder verdeckter Diskriminierung um? Sinnvoll kann es sein, Herabsetzungen sichtbar zu machen, sich an geeigneten Stellen zu beschweren, rechtliche Schritte zu einleiten.
Welche Strategie ist gegen sexistische Kommentare von ,Trollen’ sinnvoll? Eine Möglichkeit ist, sie nicht frei zu schalten, so macht es beispielsweise Maedchenmannschaft.de. Aber ist das nicht zu defensiv, wurde kritisch nachgefragt? Als sinnvoll wurde auch das Internet-Kommunikationsmittel Liquid Democracy bezeichnet, es hat einen eingebauten Minderheitenschutz, der unsinnige Kommentare ausblendet.
Zum Schluss zog Monika Lazar ein Resümee zur Veranstaltung: On- und offline ist noch einiges zu tun in Sachen Gleichstellung. Wichtig ist, dass wir aktiv bleiben und uns vernetzen. Die Themen ließen sich während des Workshops nur andiskutieren. Weitere Gespräche sind in Planung.
Tags: Feminismus, Sexismus, Teilhabe
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