Open Access, also der kostenfreie Zugang zu wissenschaftlichen Veröffentlichungen, verspricht den Informationsfluss in den Wissenschaften zu revolutionieren. Das Thema wird auf dem Netzpolitischen Kongress von Bündnis 90 / Die Grünen im Workshop „Alles Wissen dieser Welt. Zugang zu Forschungsergebnissen in der digitalen Welt“ entsprechend engagiert diskutiert.

Krista Sager MdB und Dr. Christoph Bruch (Max Planck Digital Library) setzen sich für Open Access in den Wissenschaften ein
Zunächst stellte Krista Sager, Sprecherin für Wissenschafts- und Forschungspolitik von Bündnis 90/Die Grünen einen Problemaufriss dar. Die Wissenschaft ist einer der Bereiche, in dem die Digitalisierung besonders schnell Verbreitung findet. Trotzdem fließen die Informationen nicht ungehemmt, weil der Zugriff auf wissenschaftliche Publikationen nur in Ausnahmefällen kostenfrei ist. Gleichzeitig spielen, anders als in anderen Bereichen, Lizenzeinnahmen in der Forschung annähernd keine Rolle, weil die wissenschaftliche Arbeit selbst in den meisten Fällen sowieso öffentlich finanziert wird. Der Schluss liegt nahe, die Publikationen also kostenlos verfügbar zu machen. Grundsätzlich ist dabei allerdings zu klären, wie Leistungen wie die Aufbereitung von Publikationen, das Management von Begutachtungsverfahren und die Distribution in Zukunft geregelt und abgegolten werden.
Dr. Christoph Bruch, der die Idee des Open Access für die Wissenschaften weiter etablieren möchte, unterstrich in seinem Beitrag die positive Wirkung des freien Zugangs auf das wissenschaftliche Arbeiten an sich. Nur mit frei zugänglichen elektronischen Repositorien ist es möglich, Publikationen nicht nur zu finden, sondern auch deren Inhalt für die Erkenntnisfindung vollständig zu erschließen. Daneben ist es für die Wissenschaft aber auch besonders wichtig, in einem bestimmten Umfeld wahrgenommen zu werden. Das Renommee der jeweiligen Plattform – ob Datenbank oder Journal – ist dabei ein zentraler Faktor.
Dr. Sven Fund betonte als Geschäftsführer des De Gruyter Verlags, dass die meisten Verlage bereits heute Open-Access-Plattformen anbieten. Dabei haben die WissenschaftlerInnen über den so genannten „Goldenen Weg“ die Möglichkeit, ihre Publikationen sofort – gegen eine Veröffentlichungsgebühr – online zu stellen. Alternativ dazu wird zwar immer der „Grüne Weg“ diskutiert, bei dem nach einer bestimmten Frist bereits erschienenen Veröffentlichungen kostenlos ins Netz gestellt werden. Sven Fund unterstrich, dass insbesondere in den Naturwissenschaften ein entsprechendes Vorgehen kaum erstrebenswert ist, weil die so genannte Embargofristen die schnelle Zirkulation von Information verhindern. Grundsätzlich räumte er ein, dass auch die öffentliche Hand die Verlage im Veröffentlichungsprozess “ablösen” könnte. Der Verlagsleiter gab allerdings zu bedenken, dass dann weiterhin die anfallenden Kosten ebenso wie das Risiko getragen werden müssten. Er gehe davon aus, dass es eine effizientere Lösung sei, dass alle Verlage eine OA-Sparte aufbauten.
In der daran anschließenden Diskussion wurden verschiedene weitere Fragen beleuchtet. Krista Sager schließt mit dem Vorschlag, die verschiedenen, angeklungenen Aspekte in einem separaten Fachgespräch im Rahmen der Bundestagsfraktion noch einmal vertieft zu diskutieren. Im Mittelpunkt soll dabei die Frage stehen, welche Maßnahmen der Gesetzgeber ergreifen kann, um Open Access in den Wissenschaften zum Durchbruch zu verhelfen.
Tags: OpenAccess, Wissenschaft
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