22. März 2011 (13:08) von Julia

Podiumsdiskussion mit Renate Künast und grünen Amtsinhabern in deutschen Stadtstaaten und Metropolen

>> Redner und Fragestellung

>> Vortrag von Hep Monatzeder zum Download

Gerhard Matzig, Architekturkritiker und Journalist bei der Süddeutschen Zeitung, führte ein: Das Motto des Kongresses sei vieldeutig: Grün stehe für eine verehrte Partei, mit der man sich versöhnen könnte, sollte man je entzweit gewesen sein. Grün ist aber auch ein Modelabel, es ist richtig schick geworden. Das führt auch zur Bagatellisierung, man kann heute schon bei Aldi, wo man sich vor Bio kaum retten kann, Hackfleisch einkaufen und dabei meinen, etwas richtig Gutes getan zu haben. Grün in Städten ist wichtig, und daher ist es gut, dass der Metropolenkongress einberufen wurde. Wie setzen Sie in Köln die Grüne Stadt um, Frau Spizig?

Angela Spizig, Kölner Bürgermeisterin mit den Schwerpunkten Kultur und Internationales, ging auf die Stärken Kölns hinsichtlich der Grünen Stadt der Zukunft ein. Dazu gehöre die Interkulturalität als Teil der Identität der Stadt mit ihren 2000 Jahren Migrationsgeschichte. Auch heute werden Diversität und Offenheit in Köln gelebt und gelten neben den kulturellen Angeboten bei Unternehmen sogar als Standort-Faktor. Der Kulturentwicklungsplan Kölns definiert inzwischen die institutionalisierte Kultur und die freien Szene als gleichwertig. Wichtig ist auch die vorbildlich ausgebaute digitale Infrastruktur, die in der Generation der „Digital Natives“, bei Kreativen und Firmen sehr geschätzt wird. In der Bürgerbeteiligung gibt es gute Beispiele wie den Bürgerhaushalt.

Dr. Reinhard Loske, Bremer Senator für Verkehr, Bauen, Umwelt und Europa hob folgende Bremer Ansätze hervor, insbesondere im Bereich Wirtschaft und Mobilität. Zu Beginn der rot-grünen Amtszeit konnte ein Kohlekraftwerkspark verhindert werden, wofür sich heute die Kritiker von damals bedanken, denn Bremen ist gerade wegen des Dagegen-Beschlusses von damals heute Kraftzentrum für Offshore Windenergie, was Arbeitsplätze schafft. Im Bereich Mobilität stellte er Maßnahmen dar, die zum heute sehr günstigen Modal Split von 2/3 im Umweltverbund von Fuß, Rad und ÖPNV führten.

Hep Monatzeder, Bürgermeister in München, wies auf die großen Chancen für die Grünen bei den nächsten Oberbürgermeisterwahlen in München im Jahr 2014 hin, da der Amtsinhaber Christian Ude nicht mehr antreten darf. Folgende gute Beispiele aus München auf seinem Weg zur grünen Metropole der Zukunft stellte Hep Monatzeder vor. Mit der Ausbauoffensive Erneuerbare Energien hat München seine Stadtwerke konkurrenzfähig umgebaut, die Nutzung von Kohlekraft verboten und den Ausbau der Erneuerbaren zur Pflicht gemacht, damit 2015 alle privaten Haushalte mit Ökostrom versorgt werden und 2025 ganz München zu 100 % erneuerbaren Strom bezieht, unter anderem mit mehr Solarstromerzeugung auf Münchner Dächern. Die Stadtwerke München sind mit 4,7 Milliarden Euro Umsatz das größte kommunale Unternehmen und fünftgrößter Energieversorger in Deutschland. Mit dem Isarplan wird die Isar auch in der Innenstadt naturnah umgestaltet mit teils frei fließenden Seitenarmen und großen Erholungsflächen. Weiterhin wies Monatzeder auf die Münchner Modernisierungsvereinbarung für zu sanierende Wohngebäude hin, die helfen soll das Vermieter-Mieter-Dilemma zu lösen und zugleich sozial verträgliche Mieten sicherzustellen.

In der Diskussion nannte Renate Künast einen wieder funktionierenden S-Bahn-Betrieb statt die S-Bahn finanziell auszuwringen sowie den Ausbau der Rad- und Busspuren wichtige Maßnahmen für grüne Mobilität in Berlin. Auf die Frage nach dem wirtschaftlich wichtigen Seeverkehr sagte Senator Loske, dass Transportkosten die ökologische Wahrheit sagen sollten. Ferner müsste im Verkehrsbereich auf verschiedenen Ebenen gehandelt werden. Wie in Bremen müsse CarSharing ausgebaut werden und der ÖPNV im öffentlichen Raum, beim Preis und den Schnittstellen mit anderen Verkehrsträgern Vorrang erhalten. Auf die Frage nach dem kaum vorhandenen familiengerechten und bezahlbaren Wohnraum in der Münchener Innenstadt gab Hep Monatzeder an, Wohnen sei Münchens größte Herausforderung. Durch den Zugug auf eng begrenzter Fläche herrsche großer Druck auf dem Wohnungsmarkt. München favorisiert eine machbare, kleinräumige Lösung nach der Planungsphilosophie kompakt, urban, grün, setze auf vorhandenen städtischen Wohnungsbestand, der nicht veräußert und altersgerecht sowie energetisch umgebaut werde. Das SOBON Konzept sehe eine Quotenregelung bei Neubauquartieren vor, so dass ein Anteil sozialen Wohnungsbaus sowie geförderter Eigenheime für Familien mit Kindern festgeschrieben sind. Abgesehen von der Erschließung muss auch die soziale Infrastruktur von den Investoren verpflichtend mit gebaut werden.

 
 

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