22. März 2011 (13:10) von Julia

Impulsvortrag von Uli Hellweg, Geschäftsführer der IBA Hamburg GmbH

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Organismus Stadt. Ausblicke für die Stadt der Zukunft.

Das Thema der heutigen Konferenz habe ob der Ereignisse gerade eine hohe Aktualität, denn die größte Stadt der Welt sei von den Auswirkungen der Havarie im Kernkraftwerk Fukushima bedroht. Unsere Sorge und unser Mitgefühl gelten heute aber zuvorderst den Opfern der Katastrophe, so Hellweg. Die Aussichten der Stadt der Zukunft seien gar nicht schlecht. Städte sind als Lebensort wieder attraktiv, was sich an steigenden Boden-, Immobilien- und Mietpreisen in den Metropolen in aller Welt aber auch bei uns zeigt. Wie kann Segregation verhindert und eine kompakte Stadt erhalten werden, für Klima- und Naturschutz?

Das Kapital der Metropolen ist nicht ihr Wert für die Immobilienwirtschaft, sondern Wissen und Know How, und das steckt in den Köpfen der jungen, kreativen und vielfältigen Stadtgesellschaft, die durch die Preise abzuwandern droht. Wir brauchen ein anderes Entwicklungsmodell für Städte: die Stadt der 2. Moderne ist nötig. Der Organismus Stadt muss sich ganzheitlich erneuern statt neue hierarchische Systeme zu generieren und neue urbane innerstädtische und gleichzeitig familienfreundliche Orte definieren. Derzeit klappt das noch nicht: die gesellschaftliche und räumliche Spaltung der Städte zu segregierten Inseln der Armut hier und des Wohlstands da, oder verlärmte Magistralen hier und Ruheinseln dort, überdimensionierte Gewerbegebiete am Stadtrand oder an der Autobahn und verödete Innenstädte andererseits zergliedern die Stadt. Basierend auf dieser Analyse entwickelte Hellweg folgendes Modell der Stadt der Zukunft:

Die Stadt der 2. Moderne ist die Stadt des sowohl als auch. Gemischte, urbane Räume in mitten der Metropole UND im Umland sind nötig. Restflächen sind der Stoff, aus dem die neue Stadt entsteht. Man muss sie nutzen, um neue Verbindungen zu schaffen, Isolationen überwinden, öffentliche und ökologische Freiräume für neue Raumaneignungsstrategien durch unterschiedliche soziale und kulturelle Gruppen kreieren, wie beim Tempelhofer Feld des stillgelegten Flughafens Tempelhof mitten in Berlin, neue Nutzungen und viel, nicht wenig Mobilität, aber in vernetzter Form der Stadt der kurzen Wege. Wir brauchen die neue Stadt der Energien. Die energetischen Potenziale der neuen Stadt sind gigantisch, wie etwa der Energieatlas „Zukunftskonzept Erneuerbares Wilhelmsburg“ am Beispiel Hamburgs aufzeigt. In den städtischen Zwischenräumen können postfossile Gebäudekonzepte direkt mit der Neuausrichtung der stadttechnischen Infrastruktur verbunden werden, in einer Strategie, die über Energieeinsparungen hinaus geht. Das hat belegtermaßen hohe Arbeitsplatzeffekte. Die postmodernen Milieus schotten sich ab: in Städten gibt es derzeit kein größeres Stigma als einen hohen Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund in den Schulen. Die Bildungsinfrastruktur spielt eine ganz entscheidende Rolle als neue Mitte der Stadt der 2. Moderne, hier braucht es Investitionen. Bildungseinrichtungen, die sich mit dem Stadtteil vernetzen sind das Gebot der Stunde, das haben bereits die IBAs in Berlin, im Emscher Park und jetzt in Hamburg gezeigt. Wer wenn nicht sie können den Dialog der vielfältigen Stadtgesellschaft vor Ort gewährleisten, sind Orte eines neuen community building? Die Stadt der Zukunft braucht eine neue Governance. Die gebotene ganzheitliche integrierte Entwicklungsplanung braucht politische Legitimation. Das Verhältnis der Betroffenheit des Einzelnen und zur Repräsentanz des Allgemeinen wird immer gespannt sein, und beide Positionen sind notwendig. Die Kluft zwischen Fachleuten und vermeintlichen Laien schrumpft zunehmend. Volksentscheide und –begehren sollten basierend auf voller Information einer Schlichtung vorausgehen und die Richtungsentscheidung übernehmen. Ganz unterschiedliche Herangehensweisen an Bürgerbeteiligung sind nötig, um alle zu erreichen. Ein Bürgerforum aus allen gesellschaftlichen Gruppen einer Stadt könnte als Ergebnis seiner Beratungen einen Stadtvertrag über kommende strategische Entscheidungen schließen.

Das Fazit: Die neue Stadt der Zweiten Moderne wird im Bestand gebaut, sie ist eine Stadt der reflexiven Prozesse, der Experimente und der Innovation, und sie braucht partizipative und integrierte strategische Planung, die Bürger vom Anfang an einbezieht.

 
 

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