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13. Dezember 2009 by Katrin Göring-Eckardt

Ringen um den Erhalt von Lebensperspektiven beim UN-Klimagipfel

Es war bewegend, was die junge Frau aus Bangladesch erzählte. Ein Monsun hatte den Fluss eines kleinen Dorfes über das Ufer treten lassen. Als ein Dorfbewohner von einem Arbeitsaufenthalt nach Hause zurückkehrte, fand er seine Frau verzweifelt: ihre beiden kleinen Kinder waren von der Flut mitgerissen worden und seitdem verschwunden. Ein Schutzwall gegen die Fluten hätte Leben gerettet – aber dafür fehlte das Geld.

In Kopenhagen kann man viele solcher Geschichten hören. Geschichten, die deutlich machen, dass der Klimawandel schon jetzt bittere Realität ist. Auch früher gab es schon Monsunstürme in Bangladesch, aber noch nie so häufig und so heftig wie heute. Und auch der Zusammenhang von Klimawandel und Armut wird deutlich. Die ärmsten Länder der Welt sind am stärksten betroffen vom Klimawandel und sie sind am wenigsten in der Lage, dem aus eigener Kraft etwas entgegen zu setzen.

Bei meinem zweitägigen Besuch des UN-Klimagipfels hat mich besonders das breite Engagement der Menschen fasziniert, die nach Kopenhagen gereist sind. So viele nehmen Anteil, wollen Dinge ändern, wollen sich nicht abfinden mit der Erderwärmung. Kompetent und voller Tatendrang machen sie Vorschläge, stellen konkrete Projekte vor und mahnen die Politik, greifbare Resultate zu erzielen. Auch die Religionsgruppen sind breit vertreten. Und das ist eine ermutigende Erkenntnis von Kopenhagen: Angesichts des Klimawandels treten Differenzen in den Hintergrund. Das Ringen um den Erhalt von Lebensperspektiven auf der ganzen Welt vereint.

Glockenläuten weltweit

Über der Bühne stand groß “Hopenhagen” – Hafen der Hoffnung, und hoffnungsvolle Töne fand auch Erzbischof Desmond Tutu am Sonntag Mittag in der dänischen Hauptstadt. Tausende engagierte Klimaschützer hatten sich vor dem Rathaus versammelt, um einen der Höhepunkte der kirchlichen Aktion “Countdown to Copenhagen” zu erleben. “Wenn Gott auf die Welt schaut, wenn er Gaza sieht oder Simbabwe oder Afghanistan, dann weint er”, rief Desmond Tutu den Menschen zu. “Aber wenn er euch hier in Kopenhagen sieht, wie ihr euch einsetzt für eine bessere Welt, dann beginnt er zu lächeln.”

Der Erzbischof übergab mehr als eine halbe Million Unterschriften an den UN-Klimasekretär Ivo de Boer. Kirchliche Hilfsorganisationen in der ganzen Welt hatten aufgerufen, dass sich Menschen mit ihrer Unterschrift zum Einsatz gegen den Klimawandel verpflichten. “Wir wollen eine rechtlich bindende Vereinbarung”, erklärte Desmond Tutu im Blick auf die Vertragsverhandlungen von 192 Staaten, die noch bis Ende dieser Woche in Kopenhagen stattfinden. “Wir appellieren an die Entscheidungsträger: Lasst uns die Welt besser machen für uns alle.”

Im ökumenischen Gottesdienst im Anschluss rief der Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, die Politiker zu mutigen Entscheidungen auf. “Habt keine Angst – handelt!”, sagte er im Beisein der dänischen Königin Margarethe II. Williams mahnte eine grundlegende Änderung des Lebensstils an. Um die Schöpfung zu bewahren, sei jetzt ein Wandel nötig.

Während in der Kathedrale wiederum Desmond Tutu den Schlusssegen sprach, begann eine eindrucksvolle akustische Mahnung: Sieben Minuten lang läuteten die Glocken, 350 Schläge als Hinweis auf die laut UN gerade noch akzeptable Obergrenze an CO2-Emmissionen. Der Ökumenische Rat der Kirchen hatte dazu aufgerufen, überall auf der Welt um 15 Uhr Ortszeit die Glocken zu schlagen. Mit der Aktion begannen die Kirchen auf den Fidschi-Inseln im Südpazifik. Das Glockenläuten sollte sich anschließend über den ganzen Erdball erstrecken. Allein in der nordelbischen Kirche hatten sich rund 280 Gemeinden dem Aufruf angeschlossen. Auch die Landeskirchen im Rheinland, Westfalen und Kurhessen-Waldeck hatten zu Andachten und Gottesdiensten in Solidarität mit dem Weltklimagipfel in Kopenhagen aufgerufen.

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